Das Stadtporträt Donau-City ist im Rahmen des Fine-Art-Kurses von Nicola Lederer entstanden. Ich wollte keinen Ort erklären und keine Gebäude dokumentieren, sondern herausfinden, wie sich Kraft, Präsenz und Struktur fotografisch zeigen lassen.
Dieser Blogartikel ist für alle, die Fotografie nicht erklären müssen, um sie zu verstehen. Sondern neugierig sind, wie sich ein Ort über Blickrichtung, Nähe und Reduktion erzählen lässt.
Mein Stadtporträt der Donau-City
Ich habe die Donau-City von Anfang an in Schwarz-Weiß fotografiert. Nicht aus einer spontanen Stimmung heraus, sondern bewusst, im Rahmen des Fine-Art-Kurses von Nicola Lederer. Farbe hätte hier nur abgelenkt. Mich interessiert an diesem Ort etwas anderes: Kraft, Präsenz, Dominanz.
Im Fine-Art-Kurs haben wir uns anhand von Arbeiten von Michael Kenna, Joel Tjintjelaar und Ronny Behnert mit der Wirkung von Fotos beschäftigt. Ausgangspunkt war für mich, Kraft zu fotografieren, so wie sie Tjintjelaar in seinen Fotos vermittelt. Bei der Bildbearbeitung habe ich gemerkt, dass manche Bilder eher Richtung Struktur wie bei Behnert gehen. Manchmal ist mir das schon beim Fotografieren aufgefallen, manchmal erst später, wenn jemand anderes etwas dazu gesagt hat.
Blick nach oben
Also war klar, dass mein Blick nach oben geht. Keine Übersicht, keine Distanz. Ich wollte nah ran, Kopf nach oben und sehen, was passiert, wenn Gebäude den Raum übernehmen.
Das Fotografieren war konzentriert und suchend. Immer wieder stehen bleiben. Schauen. Probieren. Ein Schritt zur Seite. Ein anderer Blickwinkel. Weitergehen. Nicht zu langsam. Es war saukalt, der Wind hat ordentlich geblasen und meine Hände waren trotz Fotohandschuhen irgendwann tiefgefroren. Aber jedes Bild hat Zeit bekommen. So viel Zeit, wie es gebraucht hat.
Je länger ich dort war, desto klarer ist mir geworden, wie ich meine Fotos gestalten möchte. Die Bilder sind strenger, reduzierter, eindeutiger geworden.
Was kommt aufs Stadtporträt und was nicht?
Manche Motive habe ich später verworfen, obwohl sie mir gefallen haben. Nicht, weil sie schlecht waren, sondern weil sie nicht zu dem gepasst haben, was ich erzählen wollte. Dieses Stadtporträt sollte keine Sammlung schöner Architektur werden, sondern ein Bild von Kraft und Präsenz. Trotzdem konnte ich nicht anders und hab auch mal was fotografiert, von dem ich vorher schon gewusst hab, dass es nicht ins Porträt passt, weil’s einfach schön war.
Die Donau-City wirkt auf mich monumental und mächtig. Beim Fotografieren habe ich gemerkt, dass Kraft für mich oft auch dort entsteht, wo Ordnung, Wiederholung und Struktur zusammenkommen. Nicht als Gegensatz, sondern als Ergänzung. Genau das fühlt sich für mich richtig an.
Dieses Porträt zeigt die Donau-City so, wie ich sie an diesem Tag erlebt habe. Von unten, nah, reduziert, mit Blick nach oben.

Ein Gebäude, zwei Perspektiven
Dieses Hochhaus ist mir gleich zweimal begegnet. Erst später habe ich gemerkt, dass es dasselbe Gebäude ist. Ich bin einfach um die Ecke gegangen und habe weiter fotografiert.
Der Vorsprung im Zentrum
Mich hat hier zuerst der Kontrast angesprochen. Das dunkle Gebäude vor dem helleren Himmel. Schwarz-Weiß hat das für mich noch klarer gemacht. Farbe hätte hier nichts hinzugefügt, auch wenn die Blautöne ihren Reiz hatten. Die Wiederholung der Fenster, das Raster, die klare Ordnung. Und gleichzeitig diese Diagonale, die dem Bild Kraft gibt.
Ich war nah dran, seitlich vom Gebäude, und habe nach oben fotografiert. Ich wollte diesen Vorsprung bewusst ins Zentrum holen.

Das Quadrat, das herausspringt
Beim zweiten Bild habe ich das noch stärker gespürt. Wieder nah dran, wieder steil nach oben. Der Vorsprung war mir wieder wichtig. Dieses Herausstehen, dieses Quadrat, das die Fläche unterbricht. In der Bildbearbeitung habe ich rechts abgedunkelt, um den Kontrast zu verstärken. Das Bild ist insgesamt dunkler geworden. Konzentrierter.

Bei der Auswahl der Fotos für das Porträt habe ich noch nicht gewusst, dass es dasselbe Gebäude ist. Die Bilder passen für mich trotzdem gut zusammen. Sie zeigen keine Wiederholung, sondern zwei Annäherungen. Ordnung und Struktur geben Halt, die Perspektive bringt Spannung. Genau an dieser Stelle treffen sich für mich Kraft und Struktur.
Struktur und Ordnung
Dieses Hochhaus wirkt für mich deutlich geordneter als die Gebäude davor. Das Fensterraster ist hier sehr präsent. Viel Fläche, viel Wiederholung, wenig Ablenkung. Alles wirkt geordnet und kontrolliert.
Ich habe auch hier nach oben fotografiert. Steil, mit Blick nach oben, wieder ohne Übersicht. Aber anders als beim ersten Gebäude ging es mir hier weniger um Spannung und mehr um Fläche. Um das Raster. Um die gleichmäßige Wiederholung der Fenster.
Beim Fotografieren habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Das Bild hat für mich einfach funktioniert. Erst später, im Kurs, wurde es stärker in Richtung Struktur eingeordnet. Für mich gehört es trotzdem ins Porträt. Gerade weil es eine andere Seite der Donau-City zeigt.
Die ganz hohen Gebäude haben für mich am besten zur Donau-City gepasst. Dieses Gebäude steht genau dafür. Präsenz nicht durch Bewegung oder Dramatik, sondern durch Größe und Fläche.

Fassade und Struktur
Dieses Hochhaus ist mir schon oft aufgefallen. Ich sehe es jedes Mal von der U-Bahn aus. Dieses Gebäude übersieht man nicht. Und trotzdem habe ich erst beim Fotografieren wirklich verstanden, warum es mich so anzieht.
Mich interessiert hier weniger eine markante Form als die Wirkung der Fassade. Fensterreihen, Wiederholung, ein klares Raster. Die Fensterrahmen und Fassadenelemente erzeugen eine feine Tiefe, ohne dramatisch zu wirken. Alles ist dicht, streng und sehr präsent.
In diesem Moment war das Licht gerade super. Ein Teil der Fassade lag im Schatten, der andere in der Sonne. Genau dieses Licht hat die Struktur erst richtig sichtbar gemacht. Ich habe versucht, möglichst symmetrisch zu fotografieren, um diese Ordnung aufzunehmen und gleichzeitig das Spiel von Licht und Schatten wirken zu lassen.
Ich stand nah am Gebäude und habe von unten nach oben fotografiert. Viel Zeit hatte ich hier nicht. Der Wind hat ordentlich geblasen, es war eiskalt, und mir hat es fast die Haube vom Kopf geweht. Lange stehen bleiben war kaum drin. Trotzdem habe ich mir genau so viel Zeit genommen, wie das Bild gebraucht hat.
Für mich bewegt sich dieses Foto zwischen Kraft und Struktur. Durch Größe, Wiederholung und Fläche. Das Gebäude wirkt streng und präsent, ohne laut zu sein. Genau diese Zurückhaltung macht es für mich spannend und zu einem wichtigen Teil dieses Stadtporträts.

Kraft und Spannung
Bei diesem Wolkenkratzer ist alles zusammengekommen, wonach ich an diesem Tag gesucht habe. Die Größe. Die Spannung. Die Wirkung von Licht und Schatten. Dieses Gebäude wirkt nicht nur hoch, es wirkt mächtig.
Ich habe eine Perspektive gewählt, die sich von meinen anderen Bildern und auch von vielen Fotos unterscheidet, die man online davon findet. Nicht frontal, sondern schräg seitlich. Nah dran, steil nach oben. So konnte ich die Fassade von der Seite zeigen, mit ihren Diagonalen und den vorspringenden und zurückweichenden Elementen. Genau dieses Wechselspiel erzeugt für mich Kraft.
Hier passiert viel. Die Linien sind nicht ruhig, sie arbeiten. Licht und Schatten wechseln sich ab. Die Oberfläche wirkt lebendig, ohne unruhig zu werden.
Für mich passt dieses Bild genau zu dem, was ich in der Donau-City gesucht habe. Die Perspektive, die Nähe, die Wirkung greifen ineinander. So wollte ich diesen Ort fotografieren.
Dieses Foto ist mein finales Bild für den Fine-Art-Kurs. Für mich fasst es gut zusammen, was ich in der Donau-City gesucht habe: Kraft, Spannung und Präsenz.

Was ich aus diesem Stadtporträt mitnehme
Beim Fotografieren der Donau-City habe ich gemerkt, dass mir nicht nur die Bilder selbst etwas gezeigt haben, sondern auch der Weg dorthin. Beim Sichten, Auswählen, Weglassen und beim Bearbeiten ist mir einiges klarer geworden.
Nach oben zu fotografieren verändert meine Wahrnehmung stärker als jede Location.
Nicht jedes gute Foto muss in ein Porträt passen.
Ordnung, Wiederholung und Struktur können genauso kraftvoll wirken wie Dramatik.
Wenn du Lust hast, Orte nicht zu erklären, sondern zu erleben, nimm deine Kamera und probier genau das aus. Von unten. Nah. Mit Blick nach oben.

