Ziesel fotografieren: So gelingen dir die besten Fotos
Ich bin auf der Wiese gelegen, ruhig, geduldig, Kamera in der Hand. Irgendwann war die Neugier größer als die Scheu. Ein Ziesel ist über mich geklettert, hat mit schmutzigen Pfoten auf meinen Objektivdeckel gegriffen und direkt in die Kamera geschaut. Ein anderes hat mich in den Finger gezwickt, weil ich nichts zum Essen dabei hatte. Nur eine Kamera. Das hat es offensichtlich nicht beeindruckt.
Aber so zahm sind Ziesel nicht überall. Wo die Tiere an Menschen gewöhnt sind, passiert sowas. An anderen Orten braucht es viel mehr Geduld.
Wenn du Ziesel fotografieren möchtest, zeige ich dir in diesem Artikel, was du wissen musst: Was das für Tiere sind, wann und wo du sie findest, wie du dich verhältst und welche Einstellungen wirklich funktionieren.
Was sind Ziesel eigentlich?
Ziesel sind kleine Nagetiere aus der Familie der Hörnchen, also entfernte Verwandte der Eichhörnchen. Sie werden ohne Schwanz etwa 20 Zentimeter groß, haben ein gelbgraues bis braunes Fell, auffällig große dunkle Augen und kleine Ohren. Wer sie zum ersten Mal sieht, denkt vielleicht an ein winziges Murmeltier oder ein Erdmännchen.
Übrigens: Laut Duden sind beide Artikel richtig, also das und der Ziesel. Ich bleibe hier durchgehend bei „das Ziesel“.
Das Ziesel lebt in selbst gegrabenen Erdbauten in offenen Graslandschaften. Es ist tagaktiv und verlässt seinen Bau tagsüber, um Nahrung zu suchen. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Gras, Löwenzahn, Mohnblumen, Klee, Samen, aber auch Insekten und kleine Weichtiere. Vorräte legt es keine an, stattdessen frisst es sich vor dem Winterschlaf ein Fettdepot an. Der Winterschlaf dauert von etwa September bis Ende März.
Bei Gefahr warnt das Ziesel seine Kolonie mit einem schrillen Pfiff und verschwindet blitzschnell im nächsten Loch.
Das Europäische Ziesel steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und ist in Österreich streng geschützt.

Wo lebt das Ziesel?
Das Ziesel braucht offene, kurzrasige Graslandschaften, wo es einerseits Nahrung findet und andererseits Greifvögel und andere Fressfeinde früh genug erkennt. In Österreich lebt es ausschließlich im pannonischen Osten, in trockenen, warmen Steppengebieten, Wiesen, Weingärten und Böschungen. Die Hauptverbreitungsgebiete liegen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.
Bekannte Beobachtungsorte sind:
- Wien: Blumengärten Hirschstetten (22. Bezirk), Stammersdorf am Marchfeldkanal, naturbelassene Grünflächen im Nordosten der Stadt
- Niederösterreich: Gerasdorf, Weinbauregionen rund um Krems, das Marchfeld, Schlossinsel beim Nationalpark Donau-Auen in Orth/Donau und auch in Schloss Hof
- Burgenland: Rund um den Neusiedler See und im Seewinkel, etwa bei Sankt Andrä am Zicksee oder in den Wiesen der Langen Lacke im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel
In Deutschland ist das Ziesel um 1980 ausgestorben. Umso wichtiger, die österreichischen Vorkommen zu schützen und beim Besuch Rücksicht zu nehmen.

Wann ist die beste Zeit zum Fotografieren?
Das Ziesel hält Winterschlaf, von etwa September bis Ende März. Von April bis Ende August kannst du es fotografieren, wobei Frühling und Frühsommer besonders schön sind: Das Gras ist noch nicht zu hoch und die Jungtiere sind unterwegs.
Es zahlt sich aus, früh am Fotospot zu sein. Das Ziesel steht meist zwischen 7:30 und 8 Uhr auf, genau dann, wenn das Licht noch weicher ist. Später am Vormittag und am Nachmittag ist es ebenfalls aktiv. Bei großer Hitze zieht es sich aber gerne in seinen Bau zurück.
Bei meinem letzten Besuchen habe ich aber auch erlebt, dass die Ziesel nicht so zeitig aufgestanden sind. Am ersten Tag waren die Ziesel pünktlich um halb acht da, putzig und putzmunter. Eine Woche später, am selben Ort, ließen sie sich deutlich mehr Zeit. Am Vorabend hatte es geregnet, warm war es an beiden Tagen. Verlass dich also nicht zu sehr auf die Uhrzeit, sondern nimm dir lieber etwas mehr Zeit. Früh da sein lohnt sich trotzdem, weil das Licht schöner und es auch noch nicht so heiß ist.
Die Paarungszeit liegt zwischen März und Mai, direkt nach dem Winterschlaf. Ab Juni und Juli tummeln sich dann auch die Jungtiere auf der Wiese, und die sind noch einmal eine Stufe niedlicher als die Erwachsenen.

Wie verhältst du dich vor Ort?
Das Wichtigste zuerst: Ruhe und Geduld. Das Ziesel ist zwar neugierig, aber es braucht Zeit, um Vertrauen zu fassen. Wer ruhig bleibt, wird belohnt: Mit der Zeit werden die Tiere immer zutraulicher, kommen näher und irgendwann sogar auf die Decke.

Ein paar Dinge, die du beachten solltest:
- Keine schnellen Bewegungen: Ruhig hinsetzen oder hinlegen, Position halten und abwarten. Wenn du dich bewegst, sind sie verschwunden. Sie kommen aber schnell wieder.
- Wildtiere grundsätzlich nicht füttern: Wer es trotzdem möchte: Erlaubt sind Sonnenblumenkerne und Blumen aus der näheren Umgebung, also Löwenzahn, Mohnblumen oder Klee. Du kannst sie in ein kleines Loch in der Erde stecken. Nüsse, Schokolade oder andere fette Sachen schaden dem Ziesel. Auch keine exotischen Blumen mitbringen.
- Bauten nicht beschädigen: Nicht in Eingängen graben, Jungtiere in Ruhe lassen.
- Auf die Löcher achten: Die Wiese ist durchzogen von Zieselbauten. Wer unaufmerksam ist, stolpert schnell.
Bei meinem ersten Besuch dieses Jahr hatte ich kaum Blumen dabei, in der Nähe fand ich einfach zu wenige. Beim zweiten Mal war ich schlauer und hatte schon vorher ein paar Mohnblumen und Margeriten gepflückt, bevor ich auf der Wiese ankam.
Beim zweiten Besuch war ich nicht allein dort. Zwei Frauen aus Deutschland (am Akzent erkennbar) waren ebenfalls auf der Wiese, eine mit einer GoPro auf einem kleinen Stativ. Wir sind ins Gespräch gekommen und sie haben gefragt, ob sie sich neben mich legen und mit meinen Blumen ebenfalls fotografieren dürften. Die Ziesel haben das Stativ mindestens genauso spannend gefunden wie unsere Blumen und haben es sich aus nächster Nähe angeschaut.

Vieles habe ich übrigens in meinem Wildlife-Fotokurs bei Nicola Lederer gelernt. Falls dich das Thema generell interessiert, schreib ich davon auch in Wildlife-Fotografie: Was ich in vier Wochen Fotokurs gelernt habe.
Übrigens: Schon das einfache Beobachten macht Spaß. Das Ziesel macht Männchen, putzt sich mit den kleinen Pfoten, schaut neugierig aus dem Loch heraus. Dafür braucht es nicht einmal eine Kamera.
Wie gelingen dir die besten Fotos?
Das Ziesel ist klein, flink und oft im Gras versteckt. Mit diesen Tipps holst du das Beste heraus.
- Auf Augenhöhe gehen: Leg dich hin. Je tiefer deine Kameraposition, desto besser hebt sich das Ziesel vom Hintergrund ab und desto mehr verschwimmt das Gras hinter ihm.
- Abgemähte oder Stellen mit kurzem Rasen suchen: Dort hast du freie Sicht und kannst besser fotografieren.
- Auf den Hintergrund achten: Ein ruhiger, gleichmäßiger Hintergrund lässt das Ziesel viel besser zur Geltung kommen. Störende Äste, Zäune oder unruhige Strukturen vermeiden.
- Licht von der Seite: Seitliches Licht modelliert das Fell schön und bringt Tiefe ins Bild. Gegenlicht oder flaches Frontlicht flacht das Motiv ab.
- Fokus auf die Augen: Auch wenn der Rest des Bildes durch eine offene Blende unscharf ist, müssen die Augen scharf sein.
- Tier- oder Augen-Autofokus nutzen: Falls deine Kamera das kann, unbedingt aktivieren. Er verfolgt das Tier zuverlässig, auch wenn es sich bewegt.

- Serienbild-Funktion aktivieren: So erwischst du auch schnelle Bewegungen und kannst danach das beste Bild auswählen.
- Kurze Belichtungszeit: Das Ziesel ist flink. Wenn du zu lange belichteat, hast du Bewegungsunschärfe. Bei sitzenden Ziesel kann die Belichtungszeit länger sein. Aber du weißt nie, wielange sie sitzen bleiben. Deshalb empfehle ich eine Belichtungszeit von mindestens 1/640 s. Wenn die Ziesel sich viel bewegen, noch kürzer.
- Offene Blende wählen: So bekommst du einen schönen weichen Hintergrund und das Tier hebt sich gut ab. Dieser Hintergrund nennt sich Bokeh. Alles darüber erfährst du in Was ist das Bokeh? und Ein schönes Bokeh fotografieren: So geht’s!
- ISO auf Automatik lassen: Die Kamera regelt dann bei wechselndem Licht selbst nach.
- Tele-Objektiv verwenden: Wenn die Tiere zutraulich und an Menschen gewöhnt sind, kommen sie sehr nahe. Das ist aber nicht immer der Fall.
- Schöne Momente abwarten: Männchen machen, aus dem Loch schauen, fressen, putzen: Das sind die Bilder, die man wirklich haben möchte.

Was solltest du noch mitnehmen?
Eine kurze Packliste für den Ziesel-Fotoausflug:
- Decke oder Unterlagsmatte zum Hinlegen auf der Wiese
- Bohnensack als Kameraauflage
- Wetterfeste Kleidung: Die Wiese kann nass sein.
- Sonnencreme und Sonnenhut: Du bist lange draußen und meist ohne Schatten.
- Genug Wasser und Snacks für dich, du wirst länger bleiben als geplant 😄

Ziesel fotografieren ist ruhig, entschleunigt und irgendwie meditativ. Du liegst auf der Wiese, wartest, beobachtest. Und irgendwann kommen die Ziesel heraus und posieren für dich.

Kurz zusammengefasst
- Das Ziesel ist ein stark gefährdetes Nagetier und in Österreich streng geschützt.
- Fotografieren kannst du es von April bis Ende August, am besten früh morgens ab 7:30 Uhr. Von September bis März hält es Winterschlaf.
- Kurzrasige, abgemähte Wiesen in Ostösterreich sind die besten Spots, um Ziesel zu sehen.
- Leg dich hin, beweg dich langsam und hab Geduld.
- Belichtungszeit mindestens 1/640s
- Fokussiere immer auf die Augen.
- Nur Futter mitbringen, das den Ziesel auch gut tut: Sonnenblumenkerne, Löwenzahn, Mohnblumen oder Klee
Häufige Fragen zum Thema Ziesel fotografieren
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