Was ist das Bokeh?
Beim Durchschauen meiner alten Fotos ist mir irgendwann etwas aufgefallen. Die Bilder, die ich am liebsten mag, haben alle eins gemeinsam: einen weichen Hintergrund. Das Motiv scharf, alles dahinter verschwommen. Damals wusste ich noch gar nicht, dass das einen Namen hat.
Heute weiß ich: Das ist Bokeh. Und es ist kein komplizierter Profi-Trick. Du kannst diesen Effekt ganz einfach verstehen und später auch selbst fotografieren. Ich erklär dir, was dahinter steckt. Los geht’s!
Was ist Bokeh?
Bokeh ist der weich verschwommene Bereich in deinem Foto. Er entsteht, wenn die Tiefenschärfe gering ist.
Dabei bleibt dein Motiv scharf, während der Hintergrund weich verschwimmt.
Besonders sichtbar wird dieser Effekt, wenn Lichtquellen im Hintergrund sind. Dann entstehen diese typischen, runden Lichtpunkte.
Das Wort Bokeh kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „unscharf“ oder “verschwommen“.
Kurz gesagt: Bokeh sorgt dafür, dass dein Motiv sofort ins Auge fällt.
Warum wirkt Bokeh so besonders?
Bokeh macht ein Bild ruhiger. Statt vieler Details im Hintergrund gibt es nur noch weiche Formen und Licht.
Dein Blick wird automatisch dorthin gelenkt, wo er hin soll. Das ist der eigentliche Zauber: Du entscheidest, was wichtig ist. Und alles andere tritt in den Hintergrund.

f 5.6 · 1/500 s · ISO 1600 · 135 mm
Wann solltest du den Bokeh-Effekt verwenden?
Bokeh ist immer dann sinnvoll, wenn du dein Motiv hervorheben möchtest.
Zum Beispiel:
- bei Porträts
- bei Katzenfotos
- bei Makroaufnahmen
- bei Detailfotos in der Natur
- wenn der Hintergrund unruhig ist
Gerade bei Katzenfotos macht Bokeh einen riesigen Unterschied. Deine Katze wird zum Star im Bild, und das Sofa, die Decke oder das Chaos im Hintergrund verschwinden in weicher Unschärfe. Mehr über den Hintergrund von Katzenfotos erfährst du in So kreierst du den perfekten Hintergrund für deine Katzenfotos.
Es hilft dir dabei, den Blick gezielt zu lenken und eine ruhige, oft verträumte Stimmung zu erzeugen. Genau deshalb wirkt ein Bild mit Bokeh oft sofort harmonischer.
Wie entsteht der Bokeh-Effekt?
Bokeh entsteht, wenn nur ein kleiner Bereich im Bild scharf ist und der Rest weich verschwimmt. Drei Dinge helfen dabei besonders: eine offene Blende, eine längere Brennweite und genug Abstand zwischen Motiv und Hintergrund.
Das klingt technischer, als es ist. Stell dir einfach vor: Dein Bild hat nur einen schmalen Streifen, der wirklich scharf ist. Alles davor und dahinter löst sich auf. Genau das ist der Bokeh-Effekt.
Wie das genau funktioniert, schauen wir uns im nächsten Abschnitt an.
Wenn diese Faktoren zusammenpassen, passiert Folgendes:
- Dein Motiv bleibt scharf
- Der Hintergrund verschwimmt weich
- Licht im Hintergrund wird zu kleinen, runden Punkten

Was ist wichtig für ein schönes Bokeh?
Jetzt weißt du, wie Bokeh grundsätzlich entsteht. Damit es richtig schön wirkt, spielen mehrere Dinge zusammen.
1. Die Blende
Die Blende ist der wichtigste Faktor für dein Bokeh.
Je offener die Blende (also je kleiner die Zahl), desto unschärfer wird der Hintergrund.
Warum? Weil bei einer offenen Blende nur ein kleiner Bereich im Bild scharf ist. Der Rest verschwimmt automatisch.
Blendenwerte zwischen f/1.4 und f/3.5 sind ideal für ein starkes Bokeh. Aber auch mit f/5.6 kannst du schon einen schönen Effekt erzielen.
Eine geschlossene Blende (z. B. f/8 oder f/12) sorgt dagegen dafür, dass fast alles scharf bleibt.
👉 Merksatz:
Kleine Zahl = viel Bokeh
Große Zahl = wenig Bokeh

Mit dem Blendenwert 3.5 wird der Hintergrund schön unscharf.
2. Das Objektiv
Auch dein Objektiv hat großen Einfluss darauf, wie stark dein Bokeh wird.
Grundsätzlich gilt: Je lichtstärker dein Objektiv ist, desto leichter bekommst du einen schön unscharfen Hintergrund.
„Lichtstark“ bedeutet, dass dein Objektiv eine große Blendenöffnung hat, zum Beispiel f/1.8 oder f/2.0.
Damit kannst du den Bereich, der scharf ist, sehr klein halten und genau das sorgt für den Bokeh-Effekt.
Auch die Art des Objektivs spielt eine Rolle:
- Tele-Objektive erzeugen meist ein stärkeres Bokeh
- Weitwinkel-Objektive tun sich damit etwas schwerer
Sehr gut geeignet sind Festbrennweiten, zum Beispiel ein 50 mm oder 85 mm Objektiv. Sie sind oft besonders lichtstark und machen diesen weichen Hintergrund viel einfacher.
Ich greife selbst super gern zur 50 mm Festbrennweite. (Sie ist öfter drauf, als ich eigentlich geplant hatte.) Warum ich dieses Objektiv so liebe, erzähle ich dir hier: 6 Gründe, warum ich meine 50 mm Festbrennweite liebe

3. Die Brennweite
Auch die Brennweite beeinflusst dein Bokeh. Je größer die Brennweite, desto unschärfer wirkt der Hintergrund.
Das liegt daran, dass du einen kleineren Bildausschnitt siehst und der Hintergrund stärker „zusammengedrückt“ wird.
Für Bokeh eignen sich besonders gut:
- 50 mm
- 85 mm
- 100 mm oder mehr
Mit einem Weitwinkel-Objektiv ist es deutlich schwieriger, einen starken Bokeh-Effekt zu erzeugen.

4. Die Positionierung
Hier passiert oft der größte Unterschied. Es kommt nämlich nicht nur auf die Kamera an, sondern auch darauf, wo du stehst.
Zwei Dinge sind entscheidend:
- Je näher du an deinem Motiv bist, desto geringer wird die Tiefenschärfe und dadurch wirkt der Hintergrund unschärfer.
- Je weiter dein Motiv vom Hintergrund entfernt ist, desto weicher wird dieser.
Das bedeutet ganz praktisch: Wenn dein Hintergrund zu nah ist, bleibt er trotz offener Blende oft zu scharf.
Ein kleiner Schritt nach vorne oder zur Seite kann hier schon alles verändern. Ich bewege mich beim Fotografieren oft ein bisschen hin und her, bis es passt. (Sieht manchmal seltsam aus, hilft aber enorm.)

f 5.6 · 1/60 s · ISO 800 · 74 mm
5. Der Hintergrund
Der Hintergrund spielt eine größere Rolle, als man denkt. Du kannst zwar einiges mit einem unscharfen Hintergrund „verschwinden“ lassen, aber nicht alles.
Wenn der Hintergrund sehr unruhig ist, bleibt diese Unruhe oft trotzdem sichtbar.
Deshalb gilt: Ein guter Hintergrund macht dein Bokeh erst richtig schön.
Besonders gut funktionieren:
- kleine Lichtquellen (z. B. Lichterketten)
- Sonnenlicht durch Blätter
- Reflexionen auf Wasser oder Glas
Diese sorgen dafür, dass die typischen Bokeh-Lichtpunkte entstehen. Ein komplett leerer Hintergrund wirkt dagegen oft etwas langweilig.

f 3.2 · 1/200 s · ISO 100 · 105 mm Festbrennweite
Wenn du das selbst ausprobieren willst, zeige ich dir in Ein schönes Bokeh fotografieren: So geht’s! Schritt für Schritt, wie du ein schönes Bokeh fotografierst.
Warum sieht jedes Bokeh anders aus?
Nicht jedes Bokeh wirkt gleich. Meist sind die Lichtpunkte rund und weich. Manchmal wirken sie eher eckig oder unruhig.
Das hängt vom Objektiv ab, genauer gesagt von der Form und Anzahl der Blendenlamellen. Je mehr Lamellen, desto runder die Lichtpunkte. Und runde Lichtpunkte empfinden die meisten als am schönsten.

Das Lustige: Du kannst die Form sogar selbst bestimmen.
Schneide einfach eine Schablone aus, zum Beispiel einen Stern oder ein Herz, und befestige sie vorne am Objektiv. Wenn im Hintergrund eine Lichterkette hängt, nehmen die Lichtpunkte genau diese Form an.
Ich hab das mal mit einem Stern ausprobiert. Mein Kit-Objektiv war leider nicht lichtstark genug dafür, mit einem lichtstarken Objektiv funktioniert es aber wunderbar.
Funktioniert super mit Lichterketten im Hintergrund, zum Beispiel zu Weihnachten.

Funktioniert Bokeh auch mit dem Smartphone?
Ja, Bokeh funktioniert auch dort, aber ein bisschen anders. Smartphones rechnen den Effekt im Porträtmodus künstlich nach. Das funktioniert oft gut, wirkt aber weniger natürlich als bei einer Kamera. Vor allem bei Haaren oder feinen Strukturen sieht man manchmal, dass der Hintergrund nicht ganz echt verschwommen ist.
Trotzdem: Probier es aus, wenn du nur ein Smartphone zur Verfügung hast. Auch mit dem Smartphone kannst du das Prinzip wunderbar üben und ein Gefühl dafür bekommen, wie Bokeh ein Bild verändert.
Bokeh ist dein einfachster Trick für ruhigere Bilder
Bokeh klingt am Anfang vielleicht technisch. Aber im Kern ist es ganz einfach: Du reduzierst das Bild auf das Wesentliche.
Weniger Hintergrund.
Mehr Fokus.
Mehr Gefühl.
Du musst nicht alles sofort perfekt einstellen. Wichtig ist, dass du anfängst und ein Gefühl dafür bekommst.
Wenn du einmal darauf achtest, wirst du es überall sehen. Und genau dann beginnt der Spaß.
Einfach loslegen.
Dein nächster Lieblingsmoment wartet.
Kamera an. Welten entdecken.
Du verstehst die vielen Fotografie-Begriffe nicht, die ich verwende? In meinem Fotografie-Glossar erkläre ich dir die Begriffe, die ich immer wieder am Blog verwende!
Häufige Fragen zum Bokeh
Was bedeutet Bokeh?
Bokeh kommt aus dem Japanischen und bedeutet „unscharf“ oder „verschwommen“. In der Fotografie beschreibt es den weich verschwommenen Hintergrund, der entsteht, wenn die Tiefenschärfe gering ist.
Kurz zusammengefasst
- Bokeh ist der weiche, unscharfe Hintergrund in einem Foto.
- Eine offene Blende (kleine Blendenzahl) ist der wichtigste Faktor für starkes Bokeh.
- Längere Brennweiten wie 50 mm, 85 mm oder 100 mm verstärken den Effekt.
- Je weiter das Motiv vom Hintergrund entfernt ist, desto weicher wird der Hintergrund.
- Lichtquellen im Hintergrund erzeugen die typischen runden Bokeh-Lichtpunkte.
- Festbrennweiten sind besonders gut für Bokeh geeignet.
- Bokeh funktioniert auch mit dem Smartphone im Porträtmodus, wirkt aber weniger natürlich.
- Die Form der Blendenlamellen bestimmt, ob die Lichtpunkte rund oder eckig wirken.
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